Ein Ausstellungsprojekt an verschiedenen
Orten Hamburgs: Kunsthaus Hamburg, Kampnagel, Golem, UKE, 
City-Höfe, Café Traumzeit, Dorothea Schlueter Galerie
und im öffentlichen Raum
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September bis November 2014
Eröffnung im Kunsthaus am 13. Oktober, ab 19 Uhr
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Das internationale Projekt KRANKHEIT ALS METAPHER. DAS IRRE IM GARTEN DER ARTEN widmet sich in unterschiedlichen Formaten – Symposium, Filmreihe, Performances, Ausstellungen und Kunst im öffentlichen Raum – Fragen zu Normativität und Abweichung. Ausgangspunkt ist der zunehmende innere und äußere Druck zur permanenten Optimierung von Psyche, Körper (“Sei vital!”) und Geist (“Sei kreativ!”). Mit fast religiöser Verehrung wird Gesundheit heute zum gesellschaftlichen Fetisch stilisiert. Im Umkehrschluss wird pathologisiert, was von Normen der vermeintlich selbstbestimmten Daueraktivität abweicht.

 

Ein Ziel von KRANKHEIT ALS METAPHER. DAS IRRE IM GARTEN DER ARTEN ist es, durch ein Verhandeln des Themas in der Öffentlichkeit den vermeintlich privaten Konflikten eine politische Dimension zu verleihen. Mit ihren Fragestellungen schreiben sich die künstlerischen Arbeiten zum Teil direkt und konfrontativ in Orte ein, an denen “gesunde” und “kranke” Zustände kulminieren. Dabei provozieren sie – jenseits voyeuristischer Talkshowrunden – eine Auseinandersetzung mit normativen Vorgaben und dem gesellschaftlichen Umgang mit Krankheit.

 

Mit Arbeiten von Ulf Aminde, Boran Burchhardt, Loretta Fahrenholz, FORT, Galerie BRD, Dora García, Stefan Marx, Michaela Melián, Anna Molska & Wojtek Bakowski, Julia Schmidt und Javier Téllez.

 

The international project ILLNESS AS METAPHOR: MADNESS IN THE GARDEN OF THE SPECIES is devoted to questions of normativity and deviation. With formats such as a symposium, a film series, exhibitions, performances and various works in public spaces, the project explores the ever-increasing internal and external pressure to keep one’s psyche, body (“Be full of energy!”) and soul (“Be creative!”) in constant optimal working order. Worshiped with virtually religious reverence, health is stylized as a social fetish, while on the other hand everything that departs from the path of – seemingly autonomous – ceaseless creativity is pathologized.

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One aim of ILLNESS AS METAPHOR: MADNESS IN THE GARDEN OF THE SPECIES is to lend supposedly private conflicts a political dimension by negotiating the topic in public. With the questions they raise, many of the artworks inscribe themselves directly and confrontationally in places where “healthy” and “sick” states culminate. In the process, they transcend the realm of voyeuristic talk show sessions and provoke critical examination of normative guidelines and the way society deals with illness.

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With works by Ulf Aminde, Boran Burchhardt, Loretta Fahrenholz, FORT, Galerie BRD, Dora García, Stefan Marx, Michaela Melián, Anna Molska & Wojtek Bakowski, Julia Schmidt and Javier Téllez.

Projects

Film Program

TIME TO GET ILL Uwe Lewitzky

TIME TO GET ILL

Uwe Lewitzky

→ GOLEM

Große Elbstraße 14, 22767 Hamburg

Beginn jeweils 20:30 Uhr

(Derailroaded beginnt bereits um 20 Uhr)

Filmstill aus Ernst Josef Lauscher, Kopfstand, 1981.

Die von Uwe Lewitzky kuratierte Filmreihe TIME TO GET ILL behandelt nicht den klassischen Beinbruch, sondern schaut vor allem auf dissonante Befindlichkeiten, Störungen und Abweichungen, auch unterhalb der von der herrschenden Ideologie verordneten Schmerzgrenze. GENIE UND WAHNSINN, ABWEICHUNG, ANDERS GESUND und HEILUNG sind die vier Themenkomplexe des Programms, das von folgenden Fragen zusammengehalten wird: Erstens, wer leidet eigentlich an wem oder was? Und zweitens, wo könnte man den Gute-Besserungs-Hebel ansetzen und wer braucht ihn überhaupt?

 

GENIE UND WAHNSINN

Der Bereich sogenannter »Outsider«-Kunst ist seit ein paar Jahren fester Bestandteil eines allzeit hungrigen Kunstbetriebs geworden. Und so sehr man diesen Übernahme-Akt als vor allem ökonomisch bedingtes Manöver in Frage stellen kann, ist es doch trotzdem wichtig einmal anhand zwei Dokumentationen aufzuzeigen, was Genies im Sinne von Wahnsinn zum weiten Feld der Kulturproduktion immer schon inhaltlich und formal beigetragen haben.

 

 

18 Sep. IN THE REALMS OF UNREAL (US,2004)

25 Sep. DERAILROADED (US,2005)

 

ABWEICHUNG

Es gibt Befindlichkeiten jenseits von Attesten und Diagnosen. Abweichung, Überforderung, Rückzug, Widerstand und Selbstbehauptung sind die Begriffe, die anhand von drei Spielfilmen aus unterschiedlichen Dekaden behandelt werden.

 

02 Okt. WANDA (US,1971)

16 Okt. KOPFSTAND (AT,1981)

23 Okt. EINE FLEXIBLE FRAU (DE,2010)

 

ANDERS GESUND

Ich oder die, wer ist denn hier eigentlich krank? Und was heißt überhaupt »krank«? Ich bin okay, du bist okay, wir sind okay; nerven tun eigentlich nur die Leute mit ihren Schubladen. Dazu eine Dokumentation und ein Spielfilm aus den Grenzbereichen der gesellschaftlichen Akzeptanz.

 

30 Okt. TREACLE, JR. (GB,2010)

06 Nov. BILLY THE KID (US,2007)

 

HEILUNG

Am Ende dann doch drei Lösungsvorschläge zu dem ganzen Krankheits-Dilemma: Der Versuch, die eigenen Probleme mit Hilfe einer sozial engagierten Kunst in den Griff zu bekommen. Daneben gibt es natürlich auch immer noch die klassische Methode einer Wallfahrt mit jungen Leuten vom Malteser Hilfsdienst. Oder doch gleich die ganze Gesellschaft durch unverkrampftes Miteinander und Ausleben der eigenen Ideen bekehren? Versuch macht klug.

 

13 Nov. THE BRUCE LACEY EXPERIENCE (GB,2012)

20 Nov. ALPS (GR,2011)

27 Nov. LOURDES (DE,2009)

 

Die Filmreihe wird beworben mit Plakaten von Nimtu de Kavasaki.

 

Uwe Lewitzky ist Kultur-Produzent. Er lebt und arbeitet in Hamburg.

www.nichtnachdenken.de

 

A film series curated by Uwe Lewitzky, TIME TO GET ILL is not concerned with the classical broken leg but focuses above all on dissonant sensitivities, disorders and deviations, including those on this side of the pain threshold prescribed by current ideology. GENIUS AND INSANITY, DEVIATION, DIFFERENTLY HEALTHY and HEALING are the programme’s four thematic complexes, which have the following questions in common. Firstly, who is actually suffering from whom or what? And secondly, where can the get-well-soon-lever be positioned and who needs it anyway?

 

GENIUS AND INSANITY

For a few years now, the realm of so-called “outsider” art has been an integral element of an ever ravenous art world. And to whatever extent one can question that act of appropriation primarily as an economically induced manoeuvre, it is nevertheless important to point out – here with the aid of two documentaries – what geniuses (in the sense of insanity) have always contributed to the broad spectrum of cultural production, with regard to content and form alike.

 

18 Sep. IN THE REALMS OF UNREAL (US,2004)

25 Sep. DERAILROADED (US,2005)

 

DEVIATION 

There are states of mind beyond the realm of attestations and diagnoses. Deviation, overextension, withdrawal, resistance and self-assertion are the concepts addressed by three feature films of different decades.

 

 

02 Oct. WANDA (US,1971)

16 Oct. KOPFSTAND (AT,1981)

23 Oct. EINE FLEXIBLE FRAU (DE,2010)

 

DIFFERENTLY HEALTHY

Me or them; who’s actually sick here? And what does “sick” even really mean? I’m okay, you’re okay, we’re okay; the only problem is the people with the pigeonholes. A documentary and a feature film from the borderlines of social acceptance.

 

 

30 Oct. TREACLE, JR. (GB,2010)

06 Nov. BILLY THE KID (US,2007)

 

 HEALING 

Finally, three proposals for solutions to the whole sickness dilemma: the endeavour to get a handle on one’s own problems with the aid of socially dedicated art. Naturally, there’s also still the classical method of a pilgrimage with young people from the Malteser Hilfsdienst (Catholic aid agency). Or how about converting the entire society by means of relaxed togetherness and acting out one’s own ideas? Endeavour makes clever.

 

13 Nov. THE BRUCE LACEY EXPERIENCE (GB,2012)

20 Nov. ALPS (GR,2011)

27 Nov. LOURDES (DE,2009)

 

The Film series will be promoted with posters by Nimtu de Kavasaki.

 

Uwe Lewitzky is a culture producer living and working in Hamburg.

www.nichtnachdenken.de

Kunsthaus Hamburg

CALIGARI AND THE SLEEPWALKER Javier Téllez

CALIGARI AND THE SLEEPWALKER

Javier Téllez

→ KUNSTHAUS HAMBURG

Klosterwall 15, 20095 Hamburg

 

Öffnungszeiten

Di bis So, 11 bis 18 Uhr

 

Ausstellungslaufzeit

14. Oktober bis 9. November 2014

Filmstill aus Javier Téllez, Caligari und der Schlafwandler, 2008. Courtesy Javier Téllez und Figge von Rosen Galerie.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts geriet die Auseinandersetzung mit pathologischen Störungen oder Stigmatisierungen zur stil- prägenden Inspirationsquelle für künstlerische Arbeiten. Expressionistische Filme wie Robert Wienes Das Cabinet des Dr. Caligari, 1920, fragten in ausgeklügelten, psychologischen Plots nach Normalität und Abweichung und übertrugen die Prinzipien der Freud’schen Psychoanalyse erstmals auf die Leinwand. In seiner 2008 entstandenen Re-Lektüre CALIGARI UND DER SCHLAFWANDLER befreit Javier Téllez den Stummfilmklassiker von seiner ursprünglichen Rezeption als Krimi und aktualisiert ihn stattdessen gemeinsam mit psychisch kranken Schauspielern als ein abstraktes, vielschichtiges Psychogramm aus fiktionalen Szenen und dokumentarischen Interviews.

 

In dem in den 1920er Jahren, also im Entstehungsjahr des Originalfilms, nach einem Entwurf von Erich Mendelsohn erbauten Einsteinturm in Potsdam entspinnt sich die Geschichte des Schlafwandlers Cesare und seines Therapeuten Caligari. Das Eistein-Observatorium, ursprünglich konzipiert um die Relativitätstheorie experimentell zu bestätigten, wird bei Téllez zur Kulisse für das Aufzeigen einer anderen Form von Relativität: Die filmische Montage entlarvt die Unterscheidungen zwischen Bewusstsein und Unterbewusstsein, zwischen Patient und Therapeut, Darsteller und Zuschauer als flexible Zuschreibungen und betont die Verhandelbarkeit psychologischer Kategorisierungen.

 

Die Neuinterpretation klassischer Filme und Stücke stellt ein wiederkehrendes Motiv im Werk von Javier Téllez dar. Schon in La Passion de Jeanne d‘Arc, 2004, und Letter on the Blind for the Use of Those, Who Can See, 2007, werden psychologische Topoi dabei als relevantes und die Ästhetik der Filme prägendes Thema herausgestellt – niemals jedoch im Sinne einer moralisierenden oder stigmatisierenden Abwertung des vermeintlich Wahnsinnigen.

In the early twentieth century, endeavours to come to terms with pathological disorders and stigmatizations came to serve as formative sources of inspiration for artistic work. Expressionist films such as Robert Wiene’s Cabinet of Dr. Caligari, 1920, used elaborate psychological plots to pose questions about normality and deviation and were the first to interpret the principles of Freudian psychoanalysis on the silver screen. In his rereading of 2008 entitled CALIGARI AND THE SLEEPWALKER, Javier Téllez frees the silent movie classic from its original reception as a whodunit and, working with mentally ill actors, updates it as an abstract and complex psychogram composed of fictional scenes and documentary interviews.

 

The story of the somnambulist Cesare and his therapist Caligari unfolds in the Einstein Tower in Potsdam, which was built in the 1920s – the year the original film was made – after a design by Erich Mendelsohn. The Einstein Observatory was originally intended as a laboratory for experiments to confirm the theory of relativity. In Téllez’s work it serves as the backdrop for a different form of relativity: the filmic montage exposes the differentiations between the conscious and the subconscious, patient and therapist, actor and viewer as flexible attributions and emphasizes the negotiability of psychological categories.

 

The reinterpretation of film classics and well-known plots is a recurring motif in the work of Javier Téllez. In La Passion de Jeanne d‘Arc, 2004, and Letter on the Blind for the Use of Those Who Can See, 2007, for example, psychological topoi are not only presented as relevant themes but also determine the film aesthetic – entirely void of any moralizing or stigmatizing degradation of supposed insanity.

LINE UP (PURELL) Julia Schmidt

LINE UP (PURELL)

Julia Schmidt

→ KUNSTHAUS HAMBURG

Klosterwall 15, 20095 Hamburg

 

Öffnungszeiten

Di bis So, 11 bis 18 Uhr

 

Ausstellungslaufzeit

14. Oktober bis 9. November 2014

Julia Schmidt, Portrait II (loose and low), 2012 Öl auf MDF, 86 x 57 cm Courtesy Meyer Riegger

Für die Vorstellung, die Malerei sei, verglichen mit kamerabasierten Werken, ein freies Medium, eine Technik für das Erfinden von grundsätzlich neuen Bildwelten, kann Julia Schmidt sich nicht wirklich begeistern. Dafür hat sie zu viele Fragen an die Malerei, an ihre Rezeption und ihre Versprechen, an ihren Charakter als Ware und ihre Beziehung zur außerkünstlerischen Realität. Schmidts Bilder basieren auf alltäglichen medial vermittelten Fundstücken – Zeitungsausschnitte, Fotos aus dem Internet, Abbildungen aus Büchern und Prospekten – die am Ende jedoch oft kaum noch wiederzuerkennen sind; entweder weil Schmidt in ihren Versionen der Vorlagen auf entscheidende Details verzichtet oder weil sich das Motiv, nachdem es mit immer neuen Schichten Ölfarbe bedeckt wurde, freigekratzt und wieder bedeckt, nicht mehr an die Oberfläche kämpfen kann.

 

Beatrice von Bismarck charakterisiert diesen konzeptionellen Ansatz im Katalog Noice of Palace, 2004, sehr treffend, wenn sie schreibt: Malerei, das lässt sich so unzweifelhaft vorausschicken, steht im Zentrum der Arbeit von Julia Schmidt. Doch das Zentrum lässt sie leer. Nicht, dass dort nichts wäre: In Überfülle findet sich dort malerische Pracht, Reichtum und Glanz, Verschwendung und Verführung, zeitforderndes Handwerk, altmeisterliches Detail, Farbdicke, Motivdichte, materielle Vielfalt und überbordende Referenzen. Sie alle sprechen über Malerei. Aber sie kreisen um sie herum, beziehen sich auf sie, vollziehen Annäherungsbewegungen, ohne je mit der Behauptung »Das ist sie!« zum Stillstand zu kommen. Eine Malerei, die sich im Prozess des Suchens nach sich selbst vollbringt; die der Frage nach den eigenen Spezifika von den Rändern aus nachgeht.

 

Die für die Ausstellung getroffene Auswahl LINE UP (PURELL) umkreist das Themenfeld Normativität, Abweichung, Krankheit und Kreativität auf unterschiedlichen Ebenen. Portrait II (loose and low), 2012, provoziert als figürliche Darstellung zwischen Verwahrlosung und Haute Couture schwankende Assoziationen. Untitled (basement) I + II, 2010, dagegen lösen sich nahezu in Abstraktion auf, hier ist es der Titel, der mit »Keller« den entscheidenden Hinweis gibt: auf eine Tätigkeit, einen Fetisch oder ein Hobby, die – auch malerisch – im Verborgenen bleiben. Lavoro (lexicon of painting), 2011, kontrastiert die Welt lokaler Kleinanzeigen mit einem persönlichen Bildarchiv der Künstlerin Julia Schmidt. Untitled (Purell), 2014, schließlich ist dem zunehmenden Einsatz von Desinfektionsmitteln im Alltag gewidmet, deren Gebrauch in New York gerne mit den Worten kommentiert wird »Sorry, no time to get ill«. Konsequenterweise verfügt dabei das Bild selbst genau über die Hochglanz-Ästhetik, die man mit einem solchen Ausspruch in Verbindung bringt.

Julia Schmidt is not really very enchanted by the idea that, compared to camera-based works, painting is a free medium, a technique for the invention of fundamentally new pictorial worlds. She has far too many questions to ask of painting, its reception and its promise, its commodity character and its relationship to non-artistic reality. Schmidt’s works are based on found images transmitted by the everyday media – newspaper clippings, photos from the Internet, illustrations from books and prospectuses – that in paintings are ultimately almost impossible to recognize. Either she omits decisive details from her version of the image, or the motif – covered by coat after coat of oil paint, re-exposed by scraping and then re-covered – no longer succeeds in fighting its way to the surface.

 

In the catalogue Noise of Palace, 2004, Beatrice von Bismarck characterized this conceptual approach quite aptly when she wrote: To begin with, there is absolutely no question about the fact that painting is the core of Julia Schmidt’s work. Yet she leaves that core empty: what is found there, in overabundance, are painterly magnificence, wealth and splendour, extravagance and temptation, time-consuming craftsmanship, Old-Masterly detail, density of colour, density of motif, diversity of mate- rial and exuberant references. All of those things talk about painting. But they revolve around it, refer to it, carry out motions of approximation, without ever coming to a standstill, exclaiming “This is it!” It is painting that consummates itself in the process of searching for itself, that – starting at the edges – pursues questions of its own specifics.

 

The selection made for the exhibition, LINE UP (PURELL) revolves around issues of normativity, deviation, illness and creativity on various levels. Portrait II (loose and low), 2012, is a figural depiction that evokes associations vacillating between neglect and haute couture. Untitled (basement) I + II, 2010, for their part, virtually dissolve in abstraction; here it is the title that provides the decisive clue: to an activity, fetish or hobby that remains concealed – painterly and otherwise. Lavoro (lexicon of painting), 2011, contrasts the world of local want ads with artist Julia Schmidt’s personal image archive. Finally, Untitled (Purell), 2014, is devoted to the increasing use of disinfectants in everyday life, which in New York tends to be justified with the comment: “Sorry, no time to get sick”. The work itself exhibits the same high-polish aesthetic that might well be associated with such a remark.

ANDANTE CALMO Michaela Melián

ANDANTE CALMO

Michaela Melián

 

SOUND-INSTALLATION

Kunsthaus Hamburg

 

QR-CODE

Öffentlicher Raum

 

PERFORMANCE

Kampnagel, 2. 11., 19:15 Uhr

Michaela Melián, Andante Calmo, 2014 Courtesy Michaela Melián

Michaela Melián – Andante Calmo (2014)

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Ausgangsmaterial für Michaela Meliáns Soundarbeit ANDANTE CALMO ist eine Arie aus Giacomo Puccinis 1896 uraufgeführter Oper La Bohème, die sich dem Leben junger Pariser Bohemiens um die Jahrhundertwende widmet. Die Katastrophe ereignet sich darin nicht durch zwischenmenschliche oder staatspolitische Konflikte, sondern vielmehr von innen heraus – die Protagonistin Mimì erkrankt an Tuberkulose und stirbt. Tuberkulose wurde im 19. Jahrhundert mit einer übersteigerten Empfindsamkeit assoziiert, für die, neben Kunstschaffenden, besonders Liebende als anfällig galten. Melián nimmt eine Aktualisierung des Stückes vor, indem sie ausgehend von der Partie der Mimì einen neuen Soundtrack komponiert. Unter-schiedliche zeitgenössische Klänge, aber auch eine Schellackplattenaufnahme von 1919, fügt sie zu einer melanchlisch-brüchigen Collage zusammen. Ein Chor von gleich drei jungen Sängerinnen übernimmt dabei den Part der Mimì, dessen Frauenbild zwischen Schwäche und Triebhaftigkeit oszilliert.

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Der Hörraum ist eine wesentliche Komponente im Werk von Michaela Melián, die neben ihrer Arbeit im Bereich bildende Kunst auch Musikerin und Gründungsmitglied der Band F.S.K. ist. Klänge können, genau wie Farben und Formen, die Wirkung eines Orts auf unterschiedliche Weise beeinflussen. Ihre im Rahmen der Ausstellung entstandene Soundarbeit ANDANTE CALMO ist als eine Art immaterielle Skulptur angelegt, die im Äther über der Stadt mäandert und sich in verschiedenen Formaten materialisiert: Meliáns Version der Arie kann im Stadtraum über einen QR-Code abgerufen werden und bildet gleichzeitig das Herzstück ihrer Sound-Installation im Kunsthaus. Hier schreibt sich das Stück nicht nur materiell in den Ort ein, sondern verwebt sich regelrecht mit den anderen Werken der Ausstellung. Eine kleine Bühne mit Kopfhörern lädt die Besucher ein, eine neue Position im Raum ein-zunehmen, die –

geprägt durch die isolierte, intensive Musiker-fahrung und die physische Erhöhung der Plattform – sowohl ein Moment der Distanzierung als auch des theatralischen Zurschaustellens beinhaltet.

 

ANDANTE CALMO wurde in Kooperation mit der Ursula Blickle Stiftung produziert, wo sie im November 2014 in veränderter Form präsentiert wird.

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Im Rahmen des Symposiums THERAPEUTISCHE ALLIANZEN wird ANDANTE CALMO darüber hinaus als Performance aufgeführt.
Auf Kampnagel: 2. November, 19:15 h, Raum: P1, Jarrestraße 20, 22303 Hamburg

 

The point of departure for Michaele Melián’s sound work ANDANTE CALMO is an aria from Giacomo Puccini’s La Bohème. Premiered in 1896, the opera revolves around the lives of young Parisian Bohemians. The plot culminates in a disaster – not brought about by interpersonal or national political conflicts, however, but from within: the protagonist Mimì suffers from tuberculosis and dies. In the nineteenth century, tuberculosis was associated with an excessive sensitivity to which artists and above all people in love were thought to be susceptible. Melián has now endeavoured to bring the material up to date by composing a new soundtrack based on the part of Mimì. Using various contemporary sounds as well as a shellac recording of 1919, she has produced a collage of a fragile and melancholy quality. A chorus of three young singers plays the part of Mimì, whose image as a woman oscillates between weakness and libido. The listening space is a fundamental component in the œuvre of Michaela Melián who, in addition to her work in the area of the visual arts, is also a musician and founding member of the band F.S.K. Like colours and forms, sounds can influence the impact of a place in various ways. Executed especially for the exhibition, Melián’s sound work ANDANTE CALMO is like an immaterial sculpture that meanders in the aether over the city and materializes in various formats: her version of the aria can be accessed by way of a QR code and also forms the core of her sound installation at the Kunsthaus. Here the piece not only etches itself into the location materially, but virtually interweaves with the other works in the exhibition. A small stage with headphones invites the visitors to try out a new position in the room, a position which – defined by the isolated, intense experience of music and the physical elevation of the platform – possesses elements of distance as well as theatrical display.

 

Within the framework of the symposium THERAPEUTIC ALLIANCES, ANDANTE CALMO will moreover be presented as a performance. At Kampnagel: 2 November, 7:15 pm, room P1 Jarrestrasse 20, 22303 Hamburg

 

ANDANTE CALMO was produced in cooperation with the Ursula Blickle Foundation, where a different version of the installation will be presented in November 2014.

 

MY THROAT, MY AIR Loretta Fahrenholz

MY THROAT, MY AIR

Loretta Fahrenholz

→ KUNSTHAUS HAMBURG

Klosterwall 15, 20095 Hamburg

 

Öffnungszeiten

Di bis So, 11 bis 18 Uhr

 

Ausstellungslaufzeit

14. Oktober bis 9. November 2014

 

Filmstill aus Loretta Fahrenholz, My Throat My Air, 2013 Courtesy Galerie Buchholz, Berlin/Cologne

Lorettas Fahrenholz‘ Film MY THROAT, MY AIR, 2013, nähert sich nach kurzen, abrupt aneinandergereihten Ansichten der bergigen Münchener Landschaft rasch dem Ort des Geschehens: Eine normale Wohnung im kleinbürgerlichen Westend, in der der ehemalige Fassbinder-Schauspieler Ulli Lommel mit seiner Partnerin Tea Brown und drei Kindern lebt. In einer losen Aneinanderreihung von Szenen entfaltet sich dort ein nahezu alltäglicher Plot – die Kinder spielen, die Frau übt Klavier, der Mann kommt nach Hause. Durch intensive Dialoge, eine intime Kameraperspektive, durch die lebendige Zeichnung der Figuren und nicht zuletzt das großartige Spiel sämtlicher Darsteller wird die Grenze zum genretypischen Familienportrait dabei jedoch mit jeder Film- sekunde konsequent gesprengt. Die Gegenüberstellung der Kinder- und Erwachsenenwelten gleicht beinahe einem Rollentausch. Während sich im Spiel der Kinder die frühe Verfestigung von Konventionen und Machtverhältnissen zeigt, verweist das Verhalten der Eltern durchaus utopisch auf ein vorhandenes Potential subjektiver Freiheiten.

 

Auch in früheren Filmen widmete sich Loretta Fahrenholz bereits den Normen, Codes und Bindungsdynamiken innerhalb unterschied- licher sozialer Gruppen: In Haust, 2010, portraitierte sie junge Künstlerinnen und Künstler in einer sich zunehmend verengenden

Wohngemeinschaft; in Implosion, 2011, agieren die entfremdeten Protagonisten der französischen Revolution vor der Kulisse des gegenwärtigen Manhattans und in Ditch Plains, 2013, ziehen Mitglieder der New Yorker Ringmaster Crew durch die vom Hurrikan Sandy verwüstete Stadt.

 

Mit MY THROAT, MY AIR bewegt sich Loretta Fahrenholz mit der Konzentration auf die Kleinfamilie als Keimzelle der Gesellschaft nun zu den Ursprüngen aller zwischenmenschlichen Interaktionen. Dabei legen die herausgestellten Charakteristika, die dem Zuschauer durch die ästhetische Isolierung von Figuren, Szenen und Geschichten entgegentreten, das soziale Geflecht aus Halt und Einschränkung offen, das jede Gemeinschaft durchzieht. Die wenigen Räume einer durchschnittlichen Familienwohnung reichen aus, um die noch in den ambivalentesten und widersprüchlichsten Rollenmustern vorhandenen, sozialen Mechanismen vorzuführen.

Having begun with short, abruptly sequenced views of the mountainous Munich landscape, Loretta Fahrenholz’s film MY THROAT, MY AIR, 2013, rapidly approaches the scene of the action – an ordinary flat in the lower-middle-class district of Westend where the former Fassbinder actor Ulli Lommel lives with his partner Tea Brown and their three children. A commonplace storyline unfolds in a loose succession of scenes: the children play, the woman practises the piano, the man comes home. By means of intensive dialogues, an intimate camera perspective, vibrant portrayals of the characters, and not least of all the grandiose performances of all the participating actors, however, the boundary demarcating the genre-typical portrait is violated at every turn. The juxtaposition of the children’s world with that of the adults is tantamount to a reversal of roles. Whereas the children’s games mirror a reinforcement of conventions and power structures, the parents’ behaviour – in quite utopian manner – points to an existing potential for subjective liberties.

 

Norms, codes and the dynamic of interpersonal relationships within various social groups have also been themes of other films by Loretta Fahrenholz. In Haust, 2010, she portrayed young artists in an increasingly confined living community; in Implosion, 2011, the estranged protagonists of the French Revolution act before the backdrop of present-day Manhattan, and in Ditch Plains, 2013, members of the New York Ringmaster Crew wander through a city ravaged by Hurricane Sandy.

 

In MY THROAT, MY AIR, by concentrating on the nuclear family as the nucleus of society, the artist now takes a look at the origins of all human interaction. In the process, the characteristics the viewer encounters within the framework of the aesthetic isolation of figures, scenes and stories expose the social fabric of support and restrictiveness that is inherent to every community. The few rooms making up an average family flat suffice to demonstrate the social mechanisms still present in the most ambiguous and contradictory role patterns.

AUFHÖREN (STRIKE:OPERA#3.1.) Ulf Aminde

AUFHÖREN (STRIKE:OPERA#3.1.)

Ulf Aminde

AUFHÖREN (STRIKE:OPERA#3.1.)

Diverse Hamburger Hotels

 

FRONTALUNTERRICHT

Kunsthaus Hamburg

 

BILDET BANDEN

Kampnagel, 1. & 2.11.

 

 

Anders Smebye. Im Hintergrund die Arbeit Short Time Movement, 2009, von Anders Dahl Monsen.

Ulf Aminde arbeitet häufig mit Versuchsanordnungen. Er steckt den Rahmen für eine performative Situation, gibt Impulse, stellt Weichen. Alles Weitere hängt maßgeblich von den involvierten Personen ab. Als Regisseur versucht er nicht, die Ereignisse zu kontrollieren, sondern ihnen Raum zu geben. So besteht die Spannung in seinen Arbeiten, in dem was dazwischen entsteht; nämlich in der Konfrontation zwischen ihm und den anderen Agierenden, zwischen den Agierenden und dem vorgegebenen Material oder zwischen den Agierenden untereinander.

 

Amindes Videoinstallation FRONTALUNTERRICHT entstand 2009 während einer vierwöchigen Zusammenarbeit mit arbeitslosen Jugendlichen in Mannheim, die ihm bis zuletzt die Teilnahme an einem gemeinsamen Projekt verweigerten. Erst als der Künstler die Gruppe vor die Aufgabe stellt, ihn vor laufender Kamera bei dem Versuch zu mimen, sie zum Mitmachen zu motivieren, geben sie

ihre Verweigerungshaltung langsam auf. Ähnlich wie bei den Lehrstücken von Bertold Brecht geht es Aminde nicht darum, Illusion oder Belehrung für ein Publikum zu schaffen, sondern einen Zustand herzustellen, der alle Anwesenden zur Reflexion anregt. Die Grenzen zwischen Regisseur, Schauspielern und Publikum verschwimmen.

 

Dementsprechend zieht sich auch die Befragung seiner eigenen Rolle als Künstler wie ein rotes Band durch seine Arbeiten. Eine wiederkehrende Methodik ist dabei die Einbeziehung normalerweise dem Kunstbetrieb fernen Personengruppen. BILDET BANDEN, 2012, entstand im Rahmen einer längeren Zusammenarbeit mit der Künstlergruppe »Die Wilderers« der Diakonie Hildesheim. Gemein- sam mit der Künstlergruppe veranstaltete Aminde eine Prozession durch den Stadtteil, in dem – ein Resultat der UN-Konvention zur stärkeren Inklusion von Menschen mit Behinderungen – viele der Heimbewohner in Zukunft alleine leben sollten und fragt so auch nach den Dogmen der Eingliederung und dem Versuch Ordnung herzustellen.

 

In seiner neuen Produktion, dem Theaterskript AUFHÖREN (STRIKE: OPERA#3.1.) überlässt Aminde den Verlauf und die Rezeption der Ereignisse nun vollends einem unbekannten Publikum von Hamburger Hotelgästen. Als Zwitterwesen zwischen der obligatorischen Hotelbibel und den ausliegenden Werbemagazinen offeriert seine Künstlerpublikation eine Gute-Nacht-Geschichte der besonderen Art. Das fiktive Stück thematisiert die gesellschaftlichen Verhältnisse, in denen Kunst- und Kulturschaffende heute agieren und überführt das dazugehörige diskursive Feld zwischen Funktionalisierung und Autonomie in die Sphären von Kulturtourismus und Berufsreisen. Eine zentrale Bedeutung erhält dabei das naheliegende Motiv des Schlafs im Sinne eines Sich-Entziehens genauso wie im Hinblick auf ein Wachrütteln. Konzeptionell adressiert das Einbeziehen der Hotels dabei nicht nur eine Zufallsöffentlichkeit von Hamburg-Besuchern mit unterschiedlichen Plänen und Erwartungen, sondern auch ganz konkret die Herkunft des Ausstellungsbudgets selbst, das aus dem auf der lokalen Kulturtaxe basierenden Elbkulturfonds bewilligt wurde.

 

 

City Hotel

Ellmenreichstr. 22

20099 Hamburg

 

Hotel Kieler Hof

Bremer Reihe 15

20099 Hamburg

 

Hotel Nord

Bremer Reihe 22

20099 Hamburg

 

Hotel Schanzenstern

Bartelsstraße 12

20357 Hamburg

 

Hotel Senator

Lange Reihe 18-20

20099 Hamburg

 

Hotel Wedina

Gurlittstraße 23

20099 Hamburg

Ulf Aminde often experiments. He sets up the framework for a performative situation, provides impulses, and gets things going on certain tracks. Everything else depends to a decisive degree on the people involved. In his role as director, rather than controlling the events he tries to give them scope. Suspense comes about in his works in what unfolds in the process – namely in the confrontation between himself and the participants, between the participants and the pre-established material, and/ or among the participants.

 

Aminde’s video installation FRONTALUNTERRICHT [Teacher-Centred Teaching] was executed in 2009 during a four-week collaboration with unemployed teenagers in Mannheim who refused to participate in a joint project until almost the last minute. It was not until the artist assigned them the task of imitating him (on camera) in the attempt to get them to cooperate that they gradually began to change their minds. As in Bertolt Brecht’s Lehrstücke, Aminde’s concern is not with creating an illusion or moral lesson for an audience, but with producing a set of circumstances that inspires everyone present to engage in reflection. The boundaries between director, actors and audience grow hazy.

 

The interrogation of his own role as an artist is accordingly a thread that runs through his entire œuvre. A recurring method here is the involvement of groups of people that normally have nothing to do with the art world. BILDET BANDEN [Form Gangs], 2012, came about within the framework of long-term cooperation with the artists’ group “Die Wilderers” of the Diakonie Hildes- heim. Aminde worked with this group to stage a procession through a district of the city where – as a result of the UN convention on the stronger inclusion of people with disabilities – many of the institutional home’s residents would have to live alone in the future. He thus raised questions about the dogmas of inclusion and the attempt to create order.

 

In his new production, the theatre script AUFHÖREN (STRIKE: OPERA#3.1.), Aminde leaves the unfolding and reception of the events entirely to an unknown audience of Hamburg hotel guests. As a hybrid between the obligatory hotel Bible and the advertising magazines left on every hotel room desk, his artist’s publication offers a good-night story of a special kind. Revolving around the social circumstances in which art and culture makers of the present pursue their activities, the fictional play transports the accompanying discursive field between functional- ization and autonomy into the spheres of cultural tourism and business trips. A motif of central importance in the work is a rather obvious one: sleep – in the sense of withdrawal but also in the sense of a wake-up call. Conceptually, the involvement of a hotel not only creates a chance audience of visitors to Hamburg with their varying plans and expectations, but also, quite specifically, addresses the origins of the exhibition budget itself, which was granted from the Elbkulturfonds – a culture fund based on a tax levied from hotel guests in Hamburg as part of the room price.

COMPLETED Anna Molska / Wojtek Bakowski

COMPLETED

Anna Molska / Wojtek Bakowski

→ KUNSTHAUS HAMBURG

Klosterwall 15, 20095 Hamburg

 

Öffnungszeiten

Di bis So, 11 bis 18 Uhr

 

Ausstellungslaufzeit

14. Oktober bis 9. November 2014

Filmstill aus Anna Molska und Wojtek Bakowski, Completed, 2009. Courtesy Anna Molska und Foksal Gallery Foundation, Warschau & Wojtek Bakowski und Galeria Stereo, Warschau.

Schauplatz des Videos ist der ehemalige Militärflughafen Bemowo in Warschau. Vor einer kargen polnischen Landschaft bewegen sich sechs Männer in Stahlrohr-Rollstühlen in einem vorgezeichneten Kreis über die Landebahn. Sie sind identisch gekleidet, alle tragen Kopfhörer und werden mithilfe eines mp3-Players von einer Stimme geleitet, deren Instruktionen sie zu folgen scheinen. Ihre choreografierten Bewegungen wirken ungelenk, die Männer ziehen die sichtlich instabilen Rollstühle mit eigener Körperkraft. Fluglärm durchmischt sich mit dem Quietschen der Stühle, dazu hört man die meditative Stimme aus dem Off – Sprecher ist der Künstler Wojtek Bakowski –, die von einem Chor männlicher Stimmen mantrisch beantwortet wird. Ob es sich dabei um eben jene Männer auf der Landebahn handelt, bleibt unklar.

 

Bei der im Loop gezeigten, ca. 15-minütigen Doppelkanal-Projektion handelt es sich um die filmische Aufzeichnung einer Performance. Die Männer sind keine Schauspieler, sondern Teilnehmer, die ohne festgelegtes Skript und nach eigenem Ermessen agieren. Nicht zuletzt durch den buchstäblichen Kreis, der ihre Bewegungen verbindet, nimmt man sie trotzdem als Gruppe wahr.

 

Im Stil einer zeitgenössischen Parabel fragt COMPLETED nach dem Verhältnis von Individuum und Gesellschaft, nach den Unterschieden zwischen Gemeinschaft und Gruppenbildung. Die Verwendung der ästhetisch an die Formsprache der russischen Avantgarde angelehnten Stahlrohrstühle betont, quasi als Kontrast zum darin implizierten Fortschrittsglauben der Moderne, Aspekte der Abhängigkeit von Maschinen und Fremdbestimmtheit durch äußere Einflüsse. Auch die neuen Technologien scheinen hier, statt Kommunikation zu ermöglichen, vor allem die Internalisierung übergeordneter Anforderungen zu begünstigen.

 

The setting is the former Bemowo military airport in Warsaw. Before a barren Polish landscape, six men sitting in steel tube wheelchairs are moving in a circle marked on the runway. They are dressed identically, are all wearing headphones and, with the aid of an mp3 player, being guided by a voice whose instructions they appear to be following. Their choreographed movements have an awkward quality; they are moving the wheelchairs, which are conspicuously unstable, with their own muscle power. The noise of aircraft blends with the squeaking of the wheelchairs. A meditative voice is also heard – that of the artist Wojtek Bakowski – and is answered in mantra-like manner by a chorus of male voices which may or may not belong to the men on the runway.

 

The dual-channel projection, which lasts about fifteen minutes and is shown in a loop, is the video recording of a performance. The men are not actors but participants carrying out their movements without a predetermined script and at their own discretion. They are nevertheless perceived strongly as a group, in large part owing to the circle that literally connects their movements.

 

In the style of a contemporary parable, COMPLETED explores the relationship between individual and society and the differences between community and group formation. Virtually as a contrast to the belief in progress implicit in modernism, the employment of steel tubing for the wheelchairs – a material that echoes the formal language of the Russian avant-garde – emphasizes aspects of dependency on machines and subjection to external forces.

THE CALLING FORT

THE CALLING

FORT

→ Kunsthaus Hamburg

Klosterwall 15, 20095 Hamburg

 

Öffnungszeiten

Di bis So, 11 bis 18 Uhr

 

Ausstellungslaufzeit

14. Oktober bis 9. November 2014

Filmstill aus FORT, The Calling, 2014.

Ein Callcenter als symbolischer Ort ununterbrochener Dienstleistung und Kommunikation bildet die Kulisse für den eigens für die Ausstellung entstandenen Videofilm THE CALLING des Künstlerinnenduos FORT. In diesem Fall schlafen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter jedoch an ihren Arbeitsplätzen, umhüllt von einem Geräuschteppich aus technischem Rauschen.

 

Der Philosoph Alexei Penzin bezeichnet in seinem Essay Rex Exsomnis. Schlaf und Subjektivität in der kapitalistischen Moderne, 2013, die »Sorge um den Schlaf« als symptomatisch für die Gegenwart. Längst ist auch die unproduktive Seite des menschlichen Alltags durch normative Dispositive durchzogen: Figuren der Erholung, des Wiederauftankens, des Fithaltens. Schlaf wird optimiert, verkürzt, reflektiert, eingepasst. Nicht zuletzt erinnert die allen Menschen gemeinsame körperliche Ruhephase mittlerweile auch an die zeitgenössischen Krankheitsbilder – Burn-Out, Depression, Erschöpfung –, in denen dieselben Arbeitsnormen ihre eigene Abnutzung zeigen.

 

Der Film inszeniert den sich verflüchtigenden Übergang zwischen dem Zustand des Wachseins und dem des Arbeitens, der Schlaf erscheint als Motiv für eine temporäre, vielleicht gar widerständige Loslösung aus dem Arbeitskontext. Gleichzeitig zeigt sich die Grenze zwischen Arbeit und Nichtarbeit im 21. Jahrhundert als nahezu aufgehoben. Selbst die Entrückung durch Müdigkeit spielt sich in unmittelbarer Nachbarschaft zu stets wachen und lauten Maschinen ab.

 

A call centre – a symbolic venue of communication and the unceasing performance of service – forms the backdrop for the video film THE CALLING produced by the artists’ duo FORT especially for the show. In this case, however, the employees are fast asleep at their workplaces, surrounded by the noise of various technical devices.

 

In his essay Rex Exsomnis: Sleep and Subjectivity in Capitalist Modernity, 2013, the philosopher Alexei Penzin describes the “concern about sleep” as symptomatic of the present. Even the unproductive side of human everyday life has already long been pervaded by normative dispositifs: figures of recuperation, “recharging one’s batteries”, staying fit. Sleep is optimized, shortened, reflected, adapted. Not least significantly, the physical phase of rest common to all human beings is meanwhile reminiscent of contemporary disorders – burnout, depression, exhaustion – in which the same working norms reveal their own deterioration.

 

The film stages the fleeting transition between the state of being awake and that of working; sleep appears as a motif for a temporary, perhaps even resistive, escape from the work context. At the same time, in the twenty-first century the boundary between work and non-work has virtually been abolished. Even the rapture brought about by exhaustion plays out in the immediate vicinity of constantly alert machines.

Public Space

ANDANTE CALMO Michaela Melián

ANDANTE CALMO

Michaela Melián

 

SOUND-INSTALLATION

Kunsthaus Hamburg

 

QR-CODE

Öffentlicher Raum

 

PERFORMANCE

Kampnagel, 2. 11., 19:15 Uhr

Michaela Melián, Andante Calmo, 2014 Courtesy Michaela Melián

Michaela Melián – Andante Calmo (2014)

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Ausgangsmaterial für Michaela Meliáns Soundarbeit ANDANTE CALMO ist eine Arie aus Giacomo Puccinis 1896 uraufgeführter Oper La Bohème, die sich dem Leben junger Pariser Bohemiens um die Jahrhundertwende widmet. Die Katastrophe ereignet sich darin nicht durch zwischenmenschliche oder staatspolitische Konflikte, sondern vielmehr von innen heraus – die Protagonistin Mimì erkrankt an Tuberkulose und stirbt. Tuberkulose wurde im 19. Jahrhundert mit einer übersteigerten Empfindsamkeit assoziiert, für die, neben Kunstschaffenden, besonders Liebende als anfällig galten. Melián nimmt eine Aktualisierung des Stückes vor, indem sie ausgehend von der Partie der Mimì einen neuen Soundtrack komponiert. Unter-schiedliche zeitgenössische Klänge, aber auch eine Schellackplattenaufnahme von 1919, fügt sie zu einer melanchlisch-brüchigen Collage zusammen. Ein Chor von gleich drei jungen Sängerinnen übernimmt dabei den Part der Mimì, dessen Frauenbild zwischen Schwäche und Triebhaftigkeit oszilliert.

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Der Hörraum ist eine wesentliche Komponente im Werk von Michaela Melián, die neben ihrer Arbeit im Bereich bildende Kunst auch Musikerin und Gründungsmitglied der Band F.S.K. ist. Klänge können, genau wie Farben und Formen, die Wirkung eines Orts auf unterschiedliche Weise beeinflussen. Ihre im Rahmen der Ausstellung entstandene Soundarbeit ANDANTE CALMO ist als eine Art immaterielle Skulptur angelegt, die im Äther über der Stadt mäandert und sich in verschiedenen Formaten materialisiert: Meliáns Version der Arie kann im Stadtraum über einen QR-Code abgerufen werden und bildet gleichzeitig das Herzstück ihrer Sound-Installation im Kunsthaus. Hier schreibt sich das Stück nicht nur materiell in den Ort ein, sondern verwebt sich regelrecht mit den anderen Werken der Ausstellung. Eine kleine Bühne mit Kopfhörern lädt die Besucher ein, eine neue Position im Raum ein-zunehmen, die –

geprägt durch die isolierte, intensive Musiker-fahrung und die physische Erhöhung der Plattform – sowohl ein Moment der Distanzierung als auch des theatralischen Zurschaustellens beinhaltet.

 

ANDANTE CALMO wurde in Kooperation mit der Ursula Blickle Stiftung produziert, wo sie im November 2014 in veränderter Form präsentiert wird.

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Im Rahmen des Symposiums THERAPEUTISCHE ALLIANZEN wird ANDANTE CALMO darüber hinaus als Performance aufgeführt.
Auf Kampnagel: 2. November, 19:15 h, Raum: P1, Jarrestraße 20, 22303 Hamburg

 

The point of departure for Michaele Melián’s sound work ANDANTE CALMO is an aria from Giacomo Puccini’s La Bohème. Premiered in 1896, the opera revolves around the lives of young Parisian Bohemians. The plot culminates in a disaster – not brought about by interpersonal or national political conflicts, however, but from within: the protagonist Mimì suffers from tuberculosis and dies. In the nineteenth century, tuberculosis was associated with an excessive sensitivity to which artists and above all people in love were thought to be susceptible. Melián has now endeavoured to bring the material up to date by composing a new soundtrack based on the part of Mimì. Using various contemporary sounds as well as a shellac recording of 1919, she has produced a collage of a fragile and melancholy quality. A chorus of three young singers plays the part of Mimì, whose image as a woman oscillates between weakness and libido. The listening space is a fundamental component in the œuvre of Michaela Melián who, in addition to her work in the area of the visual arts, is also a musician and founding member of the band F.S.K. Like colours and forms, sounds can influence the impact of a place in various ways. Executed especially for the exhibition, Melián’s sound work ANDANTE CALMO is like an immaterial sculpture that meanders in the aether over the city and materializes in various formats: her version of the aria can be accessed by way of a QR code and also forms the core of her sound installation at the Kunsthaus. Here the piece not only etches itself into the location materially, but virtually interweaves with the other works in the exhibition. A small stage with headphones invites the visitors to try out a new position in the room, a position which – defined by the isolated, intense experience of music and the physical elevation of the platform – possesses elements of distance as well as theatrical display.

 

Within the framework of the symposium THERAPEUTIC ALLIANCES, ANDANTE CALMO will moreover be presented as a performance. At Kampnagel: 2 November, 7:15 pm, room P1 Jarrestrasse 20, 22303 Hamburg

 

ANDANTE CALMO was produced in cooperation with the Ursula Blickle Foundation, where a different version of the installation will be presented in November 2014.

 

DAS GESPENST IN DER MASCHINE Galerie BRD

DAS GESPENST IN DER MASCHINE

Galerie BRD

→ DOROTHEA SCHLUETER GALERIE

Große Bäckerstraße 4, 20095 Hamburg

 

Öffnungszeiten

Mi bis Fr 12 bis 18 Uhr

und Sa 12 bis 15 Uhr

 

Ausstellunglaufzeit

8. Oktober bis 2. November 2014

Tilman Walther, 2014

Die in wechselnder Zusammensetzung arbeitende KünstlerInnengruppe Galerie BRD beteiligt sich mit einer Satellitenausstellung an dem Gesamtprojekt. Zu den Fragen, denen sie darin nachgeht, ist der folgende Text entstanden:

Manche sagen, wie man ist, ist vorgeprägt durch die Eltern, wie die Eltern sind, ist vorgeprägt durch deren Eltern, wie deren Eltern sind, ist vorgeprägt durch deren Eltern. An keinem Jahrhundert aktiv teilgenommen. Handlungsunfähig und antriebslos treiben wir durch die Ruinen unserer eigenen Erzählung. Mit krummen Rücken schleppen wir an unseren Attributen. Diese Erzählung ist ein geschlossener Kreis. Ein Perpetuum mobile des Leidensdrucks, zusammengehalten von dem Glauben an ein Ich.

An artists’ group that works in changing constellations, Galerie BRD is participating in the project with a satellite exhibition. The following text describes the issues the Galerie BRD artists examine in their show:

Many people say the way you are is shaped by your parents; the way your parents are was shaped by their parents; the way their parents are was shaped by their parents. Never having taken active part in any century, powerless and incapable of acting, we drift among the ruins of our own story. We haul our attributes around on stooped backs. This narrative is a closed circle, a perpetuum mobile of suffering kept intact by belief in a self.

HAMBURGER DOM Boran Burchhardt

HAMBURGER DOM

Boran Burchhardt

→ CITY-HÖFE

Klosterwall

Boran Burchhardt, Hamburger Dom, 2014, Foto: Jann Wilken

Der Abriss der langen Wand, die im Kunsthaus Hamburg jahrzehntelang die Fensterfront versperrte, hat sich gelohnt: Blick frei auf Boran Burchhardts Installation HAMBURGER DOM, die im Innenstadtbereich ohnehin unübersehbar ist. Mit Hilfe von Industriekletterern, die von außen auf die knapp 1500 Fenster bunte Transparentfolien aufgebracht haben, verwandelt Burchhardt die 1958 fertiggestellten City-Höfe des Architekten Rudolf Klopstock in eine große Skulptur. Eine Inspiration zu Arbeit und Titel lieferte dabei Gerhard Richters Südquerhausfenster für den Kölner Dom. Jedem Fenster der insgesamt vier Hochhäuser ist eine Farbe innerhalb der von Richter verwendeten Palette zugeordnet. Auf sehr einfache Art und Weise entsteht so nicht nur ein Anblick von großer Schönheit, sondern ein auf vielen Ebenen lesbares Kunstwerk im öffentlichen Raum.

 

Aufgenommen findet sich der Gedanke, dass der Hamburger Dom 1805 abgerissen wurde, weil er in der säkularisierten Stadt seine Daseinsberechtigung verloren hatte. Die aktuelle Diskussion um den Abriss des Hochhaus-Ensembles prägt ähnliche Züge: Die Hochhäuser lassen sich – vor allem im Ursprungszustand – als eine Kathedrale der Nachkriegsmoderne lesen, deren Präsenz im Stadtbild heute von vielen jedoch als störend empfunden wird. Burchhardts Installation verleiht dieser Diskussion nun eine ästhetische Zuspitzung: Das strenge Raster der funktionalen Architektur tritt durch die farbigen Folien als gestalterisches Moment deutlich hervor und befindet sich plötzlich in einem Widerspruch zu der von vielen Medien geprägten Schandfleck-Debatte.

 

Abgesehen von dieser stadtpolitischen Dimension, kommt mit der Hamburger Doppelbedeutung des Wortes »Dom« ein weiterer, für den Zusammenhang des übergeordneten Projekts wichtiger Aspekt ins Spiel: Die Verbindung von den Büroarbeitsplätzen mit dem Hamburger Jahrmarkt fragt nach der innerhalb der postindustriellen Ökonomie zunehmend eingeebneten Trennung zwischen Arbeit

und Freizeit, während der sakrale Aspekt die quasireligiöse Bedeutung von vorhandenen oder angestrebten Arbeitszusammenhängen für alle Lebensbereiche aufnimmt.

 

Nicht zuletzt dockt die Bezugnahme auf Richters Kirchenfenster an wichtige kunstimmanente Fragen an. Ausgehend von Richters Entwurf wurden seinerzeit hitzige Debatten über Figuration und Abstraktion geführt, die sich sinnbringend an Überlegungen zur Ortsspezifität und Aussagekraft von Kunst im öffentlichen Raum rückkoppeln lassen.

 

Im Rahmen der Reihe OFF THE RAILS im Kunsthaus Hamburg Montag, 27. Oktober 2014, 19:00 h Boran Burchhardt im Gespräch mit Britta Peters

 

Dank an: HanseClimbing, Werbewirbel, XXL-direct GmbH

The demolition of the long wall that blocked the glass façade of the Kunsthaus Hamburg for decades was worth the effort. Now there’s a clear view of Boran Burchhardt’s HAMBURGER DOM installation, which is also visible from almost everywhere in the city centre. With the aid of industrial climbers who mounted different-coloured transparent foils to the windows, numbering nearly 1,500, Burchhardt transformed the City-Höfe completed in 1958 after a design by architect Rudolf Klopstock into a huge sculpture. Gerhard Richter’s Cologne Cathedral Window for the south transept of Cologne Cathedral provided the inspiration for the work and its title. Every one of the windows of the four high-rise buildings is assigned a colour from within the palette employed by Richter. The result, achieved by very simple means, is not only a sight of great beauty, but an artwork in the public realm that can be read on many levels.

 

For one thing, it makes an allusion to the thought that HAMBURGER DOM was torn down in 1805 because it had lost its raison d’être in the secularized town. The current discussion revolving around the demolition of the high-rise ensemble bears similarities to the one conducted more than two hundred years ago. Particularly in their original state, the buildings can be seen as a cathedral of post-war modernism whose presence in the cityscape, however, is meanwhile considered disturbing by many. Burchhardt’s installation now takes this discussion to an aesthetic extreme: thanks to the coloured foils, the rigorous grid of the functional architecture is distinctly emphasized – and suddenly contradicts the eyesore debate going on in the media.

 

Apart from the local-political dimension, the double meaning of the word “Dom” in Hamburg (“cathedral” but also the name of a funfair held at the site three times a year) brings a further aspect into play that bears importance for the context of the overall project. Whereas on the one hand, the combination of office workplaces with the Hamburg funfair addresses the separation of work and free time for which the post-industrial economy is increasingly paving the way, the sacred aspect mirrors the quasi-religious significance of existing or intended working circumstances for all areas of life.

 

Not least importantly, the reference to Richter’s church window picks up on matters inherent to art. At the time of that work’s making, it triggered heated debates over the figuration versus abstraction, a topic which can also be contemplated in connection with place-specificity and the expressive power of art in the public realm.

 

In the frame of the serial OFF THE RAILS at Kunsthaus Hamburg Monday, 27 October, 7 p.m. Talk between Boran Burchhardt and Britta Peters

 

Thanks to: HanseClimbing, Werbewirbel, XXL-direct GmbH

AUFHÖREN (STRIKE:OPERA#3.1.) Ulf Aminde

AUFHÖREN (STRIKE:OPERA#3.1.)

Ulf Aminde

AUFHÖREN (STRIKE:OPERA#3.1.)

Diverse Hamburger Hotels

 

FRONTALUNTERRICHT

Kunsthaus Hamburg

 

BILDET BANDEN

Kampnagel, 1. & 2.11.

 

 

Anders Smebye. Im Hintergrund die Arbeit Short Time Movement, 2009, von Anders Dahl Monsen.

Ulf Aminde arbeitet häufig mit Versuchsanordnungen. Er steckt den Rahmen für eine performative Situation, gibt Impulse, stellt Weichen. Alles Weitere hängt maßgeblich von den involvierten Personen ab. Als Regisseur versucht er nicht, die Ereignisse zu kontrollieren, sondern ihnen Raum zu geben. So besteht die Spannung in seinen Arbeiten, in dem was dazwischen entsteht; nämlich in der Konfrontation zwischen ihm und den anderen Agierenden, zwischen den Agierenden und dem vorgegebenen Material oder zwischen den Agierenden untereinander.

 

Amindes Videoinstallation FRONTALUNTERRICHT entstand 2009 während einer vierwöchigen Zusammenarbeit mit arbeitslosen Jugendlichen in Mannheim, die ihm bis zuletzt die Teilnahme an einem gemeinsamen Projekt verweigerten. Erst als der Künstler die Gruppe vor die Aufgabe stellt, ihn vor laufender Kamera bei dem Versuch zu mimen, sie zum Mitmachen zu motivieren, geben sie

ihre Verweigerungshaltung langsam auf. Ähnlich wie bei den Lehrstücken von Bertold Brecht geht es Aminde nicht darum, Illusion oder Belehrung für ein Publikum zu schaffen, sondern einen Zustand herzustellen, der alle Anwesenden zur Reflexion anregt. Die Grenzen zwischen Regisseur, Schauspielern und Publikum verschwimmen.

 

Dementsprechend zieht sich auch die Befragung seiner eigenen Rolle als Künstler wie ein rotes Band durch seine Arbeiten. Eine wiederkehrende Methodik ist dabei die Einbeziehung normalerweise dem Kunstbetrieb fernen Personengruppen. BILDET BANDEN, 2012, entstand im Rahmen einer längeren Zusammenarbeit mit der Künstlergruppe »Die Wilderers« der Diakonie Hildesheim. Gemein- sam mit der Künstlergruppe veranstaltete Aminde eine Prozession durch den Stadtteil, in dem – ein Resultat der UN-Konvention zur stärkeren Inklusion von Menschen mit Behinderungen – viele der Heimbewohner in Zukunft alleine leben sollten und fragt so auch nach den Dogmen der Eingliederung und dem Versuch Ordnung herzustellen.

 

In seiner neuen Produktion, dem Theaterskript AUFHÖREN (STRIKE: OPERA#3.1.) überlässt Aminde den Verlauf und die Rezeption der Ereignisse nun vollends einem unbekannten Publikum von Hamburger Hotelgästen. Als Zwitterwesen zwischen der obligatorischen Hotelbibel und den ausliegenden Werbemagazinen offeriert seine Künstlerpublikation eine Gute-Nacht-Geschichte der besonderen Art. Das fiktive Stück thematisiert die gesellschaftlichen Verhältnisse, in denen Kunst- und Kulturschaffende heute agieren und überführt das dazugehörige diskursive Feld zwischen Funktionalisierung und Autonomie in die Sphären von Kulturtourismus und Berufsreisen. Eine zentrale Bedeutung erhält dabei das naheliegende Motiv des Schlafs im Sinne eines Sich-Entziehens genauso wie im Hinblick auf ein Wachrütteln. Konzeptionell adressiert das Einbeziehen der Hotels dabei nicht nur eine Zufallsöffentlichkeit von Hamburg-Besuchern mit unterschiedlichen Plänen und Erwartungen, sondern auch ganz konkret die Herkunft des Ausstellungsbudgets selbst, das aus dem auf der lokalen Kulturtaxe basierenden Elbkulturfonds bewilligt wurde.

 

 

City Hotel

Ellmenreichstr. 22

20099 Hamburg

 

Hotel Kieler Hof

Bremer Reihe 15

20099 Hamburg

 

Hotel Nord

Bremer Reihe 22

20099 Hamburg

 

Hotel Schanzenstern

Bartelsstraße 12

20357 Hamburg

 

Hotel Senator

Lange Reihe 18-20

20099 Hamburg

 

Hotel Wedina

Gurlittstraße 23

20099 Hamburg

Ulf Aminde often experiments. He sets up the framework for a performative situation, provides impulses, and gets things going on certain tracks. Everything else depends to a decisive degree on the people involved. In his role as director, rather than controlling the events he tries to give them scope. Suspense comes about in his works in what unfolds in the process – namely in the confrontation between himself and the participants, between the participants and the pre-established material, and/ or among the participants.

 

Aminde’s video installation FRONTALUNTERRICHT [Teacher-Centred Teaching] was executed in 2009 during a four-week collaboration with unemployed teenagers in Mannheim who refused to participate in a joint project until almost the last minute. It was not until the artist assigned them the task of imitating him (on camera) in the attempt to get them to cooperate that they gradually began to change their minds. As in Bertolt Brecht’s Lehrstücke, Aminde’s concern is not with creating an illusion or moral lesson for an audience, but with producing a set of circumstances that inspires everyone present to engage in reflection. The boundaries between director, actors and audience grow hazy.

 

The interrogation of his own role as an artist is accordingly a thread that runs through his entire œuvre. A recurring method here is the involvement of groups of people that normally have nothing to do with the art world. BILDET BANDEN [Form Gangs], 2012, came about within the framework of long-term cooperation with the artists’ group “Die Wilderers” of the Diakonie Hildes- heim. Aminde worked with this group to stage a procession through a district of the city where – as a result of the UN convention on the stronger inclusion of people with disabilities – many of the institutional home’s residents would have to live alone in the future. He thus raised questions about the dogmas of inclusion and the attempt to create order.

 

In his new production, the theatre script AUFHÖREN (STRIKE: OPERA#3.1.), Aminde leaves the unfolding and reception of the events entirely to an unknown audience of Hamburg hotel guests. As a hybrid between the obligatory hotel Bible and the advertising magazines left on every hotel room desk, his artist’s publication offers a good-night story of a special kind. Revolving around the social circumstances in which art and culture makers of the present pursue their activities, the fictional play transports the accompanying discursive field between functional- ization and autonomy into the spheres of cultural tourism and business trips. A motif of central importance in the work is a rather obvious one: sleep – in the sense of withdrawal but also in the sense of a wake-up call. Conceptually, the involvement of a hotel not only creates a chance audience of visitors to Hamburg with their varying plans and expectations, but also, quite specifically, addresses the origins of the exhibition budget itself, which was granted from the Elbkulturfonds – a culture fund based on a tax levied from hotel guests in Hamburg as part of the room price.

I’M STARTING TO FEEL OKAY Stefan Marx

I’M STARTING TO FEEL OKAY

Stefan Marx

→ UKE

Universitätsklinikum Eppendorf

Martinistraße 52

20246 Hamburg

Stefan Marx, Vasen-Edition, 2014

Fragmentarisch verteilter Text bedeckt die Oberfläche einer Blumenvase. Die Buchstaben sind durch das Ausmalen der Zwischenräume mit schwarzer Farbe entstanden und bilden bei genauerer Betrachtung den Satz I’M STARTING TO FEEL OKAY. Die vom Hamburger Künstler Stefan Marx entworfenen, handgefertigten Keramik-Vasen sind als Edition eigens für den Gebrauch im Krankenhaus entstanden. Die Vasen können von den Patienten und dem Personal individuell benutzt, in Wartezonen verwendet und mit auf die Zimmer genommen werden. Die Edition bietet einen ausgesprochen freiwilligen Umgang mit Kunst an und schafft so auch eine Alternative zu den herkömmlichen »Kunst am Bau«-Lösungen. Die Idee eines repräsentativen Werkes wird unterlaufen, stattdessen kursiert mit der Vase ein mit einer gewissen Melancholie versehenes, aber auch gesprächsbereites Gegenüber.

 

Die Platzierung der 200 Vasen im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf hebt die Bedeutung der Institution Krankenhaus als (semi-)öffentlicher Raum hervor – das Areal des Klinikums gleicht einem kleinen Stadtteil und besitzt sogar eine eigene Postleitzahl – und reflektiert darüber auch die zentrale Frage des Gesamtprojekts nach dem gesellschaftlichen Umgang mit Krankheit.

 

Auch wenn die Edition einen seriellen Charakter besitzt, handelt es sich bei jeder Vase um ein Original. Das Projekt ist durch einen unprätentiösen Umgang mit Fragen der Limitierung und des Besitzes gekennzeichnet, der die künstlerische Position von Stefan Marx insgesamt auszeichnet: Das Arbeiten in klassischen Medien wie Malerei und Zeichnung schließt für ihn die Produktion von Auflagenwerken nicht aus. Er entwirft Plattencover, T-Shirts, Skateboards, Magazine und Bücher. Das beinhaltet ein zutiefst demokratisches Verständnis von Kunst und eine vergleichsweise niedrige Schwelle zum angewandten Bereich – bis hin zu dem Punkt, wo der Verbleib der Objekte nebulös wird und sie beginnen, an unbekannten Orten ein Eigenleben zu führen.

 

Ergänzend zu der Vasen-Edition zeigt Stefan Marx im Kunsthaus eine umfangreiche Serie von Portrait-Zeichnungen.

Fragmentarily distributed text covers the surface of a flower vase. The letters came about by painting the in-between spaces black; upon closer inspection they form the sentence I’M STARTING TO FEEL OKAY. The handmade ceramic vases designed by Hamburg artist Stefan Marx were produced as an edition especially for use in a hospital. The vases can be used by the patients and personnel individually, in the waiting room and in the patients’ rooms. The edition offers an explicitly voluntary engagement with art and thus an alternative to conventional “percent-for-art” solutions. The idea of a representative work on the outside of the building is subverted; instead, a veritable vis-à-vis – the vases, which are associated with a certain sense of melancholy, but also open for conversation – circulates within.

 

The placement of the two hundred vases in the Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf emphasizes the meaning of the hospital institution as a (semi-) public space – the clinic grounds resemble a small city district and even have their own postal code – and thus reflects on the “Illness as Metaphor” project’s core inquiry into the way society deals with illness.

 

Even if the edition possesses serial character, each vase can be considered an original. The project is distinguished by an unpretentious approach to questions of limitation and possession that also informs Stefan Marx’s work in general. For him, work in such classical media as painting and drawing does not rule out the production of editions. He designs record covers, T-shirts, skateboards, magazines and books. His œuvre thus reflects a profoundly democratic conception of art and a relatively low threshold to the area of applied art – even to the point where the object’s whereabouts become nebulous and they begin to lead lives of their own in unknown places.

 

In addition to the vase edition, Stefan Marx is showing an extensive series of portrait drawings at the Kunsthaus.

THE HEARING VOICES CAFÉ Dora GarcÍa

THE HEARING VOICES CAFÉ

Dora GarcÍa

→ CAFÉ TRAUMZEIT

Hansaplatz 12, 20099 Hamburg

 

Öffnungszeiten

täglich 12 bis 24 Uhr

 

Projektlaufzeit

14. Oktober bis 9. November 2014

Dora Garcia, The Hearing Voices Café, 2014

Eigentlich trifft die Bezeichnung ein »Hearing Voices Café« zu sein, also ein Ort, an dem man verschiedene Stimmen hört, auf jedes gut besuchte Café zu. Gleichzeitig kann man bei dem Begriff »Stimmen hören« auch an das psychische Phänomen denken, innere Stimmen zu hören. Die spanische Künstlerin Dora García nutzt die Doppeldeutigkeit des Titels, um in einem bestehenden Café einen Treffpunkt für Menschen zu installieren, die Stimmen hören.

 

Ausgangspunkt hierfür ist ihre Beschäftigung mit der Bewegung der Stimmenhörer, die ihre Wurzeln in den Anti-Psychiatriegruppen der 1970er Jahre hat und sich mehr als Bürgerrechtsbewegung denn als therapeutische Selbsthilfe versteht. Die ersten gemeinsamen Aktivitäten entstanden 1987 in Holland mit der Mission das medizinische Modell der Geisteskrankheit herauszufordern und breitete sich von dort schnell in andere Länder aus. Der wohl aktivste Teil der Bewegung besteht seit 1988 im englischen Hearing Voices Network. Sämtliche nationale Verbände vereinten sich zudem 1997 zu Intervoice, einer Gruppe von Stimmenhörern und anderweitig Involvierten, die jährlich in wechselnden Ländern den »World Hearing Voices Congress« organisiert.

 

Stimmen zu hören ist nicht nur ein weitverbreitetes, sondern auch ein kulturgeschichtlich bedeutsames Phänomen. Berühmten Philosophen, Gläubigen und Poeten galt die Fähigkeit über sich hinauszuwachsen als besonderes Gabe, von Sokrates über Mutter Teresa und Johannes vom Kreuz bis hin zu der amerikanischen Schriftstellerin Hannah Weiner. Andere Kunstschaffende erlebten die Begabung weniger positiv, dennoch nahm sie großen Einfluss auf ihr Werk: Sarah Kane, Robert Walser, Virginia Woolf oder Philip K. Dick, um nur einige zu nennen.

 

Austausch, Forschung und Entstigmatisierung bilden das inhaltliche Zentrum von Garcías Projekt THE HEARING VOICES CAFÉ. Strukturell setzt es sich aus verschiedenen Angeboten zusammen, dazu gehören ausführliche Infomaterialien, eine immer wieder aktualisierte Zeitung und ein Hörspiel. Zudem finden regelmäßig Veranstaltungen statt, zur Geschichte und Gegenwart von aus dem Psychiatrie-Umfeld kommenden Widerstands- und Bürgerrechtsbewegungen genauso wie zum Verhältnis von Sprache, psychischen Besonderheiten, Kapitalismus und Kunst. Innerhalb des regulären und lebendigen Betriebs des gastgebenden Lokals Traumzeit fungiert THE HEARING VOICES CAFÉ als öffentlicher Treffpunkt für Stimmenhörende und ihre Freunde, für an dem Phänomen Interessierte und zufällige Gäste. Eine Unterscheidung zwischen denen, die Stimmen hören, und denen, die dies nicht tun, ist an diesem Ort völlig unerheblich.

 

http://thehearingvoicescafe.doragarcia.org/

The designation “Hearing Voices Café” actually applies to every well-patronized coffee shop. At the same time, the phrase “hearing voices” is also associated with the phenomenon of hearing inner voices. Drawing on the ambiguity of the term that serves her as a title, the Spanish artist Dora García is installing a gathering place for people who hear voices in an existing café.

 

The point of departure for this work is the artist’s preoccupation with the voice-hearers’ movement, which has its roots in the anti-psychiatry groups of the 1970s and conceives of itself more as a civil rights movement than as a form of therapeutic self-help. The first joint activities came about in Holland in 1987 with the mission of challenging the medical model of mental illness, and from there spread rapidly to other countries. What is presumably the most active branch of the movement has been in existence since 1988 in the English Hearing Voices Network. In 1997, the national associations moreover joined to form Intervoice, a group of voice-hearers and otherwise involved persons who organize the annual “World Hearing Voices Congress” in a different country every year.

 

Voice-hearing is not only a widespread phenomenon, but also a cultural-historically significant one. From Socrates to Mother Teresa, John of the Cross to the American writer Hannah Weiner, famous philosophers, believers and poets have regarded voice hearing as an ability and a special gift. Other artists have had less positive experiences with this phenomenon, but it nevertheless strongly influenced their work: Sarah Kane, Robert Walser, Virginia Woolf or Philip K. Dick, to name just a few examples.

García’s THE HEARING VOICES CAFÉ project revolves primarily around exchange, research and destigmatization. Structurally it is composed of various offers including detailed information material, a regularly updated newspaper and an audio work. There will also be a number of events on the history and current activities of psychiatry-related resistance and civil rights movements as well as on the relationships between language, mental idiosyncrasies, capitalism and art. Within the regular and bustling operation of the host establishment Traumzeit, THE HEARING VOICES CAFÉ will function as a public meeting place for voice-hearers and their friends, people interested in the phenomenon, and coincidental guests. To point out which guests hear voices and which ones don’t, is irrelevant for the community gathering there.

 

 

Symposium

THERAPEUTISCHE ALLIANZEN Anna Bromley und Michael Fesca

THERAPEUTISCHE ALLIANZEN

Anna Bromley und Michael Fesca

→ KAMPNAGEL

Jarrestraße 20

22303 Hamburg

Räume  P1

 

Das komplette Programm

als pdf:

Therapeutische Allianzen_Programm

 

Filmstill aus Karin Michalski, The Alphabet of Feeling Bad, 2012. Performance: Ann Cvetkovich

Als die WHO 1946 ihre Verfassung verabschiedete, definierte sie Gesundheit als einen Zustand des vollkommenen körperlichen, seelischen und sozialen Wohlergehens und nicht nur als das Fehlen von Krankheit oder Gebrechen. In einer Zeit, in der die Objektivierung von Körper und Psyche durch Medizin- und Wissenschafts­geschichte bereits abgeschlossen war, ist dieser Satz von bemerkenswerter Weitsicht. Heute hingegen scheint Gesundheit eher Prozesse zu bezeichnen, in der Körper und Seele so verfertigt werden sollen, dass sie gegen statistisch errechnete Gesundheits­gefahren immun sind. Die damit verbundenen Exerzitien und Übungen können durchaus als lustvoll empfunden werden, markieren aber auch zweischneidige Handlungen, in denen Körper vor allem als Potenziale verwaltet werden. Hier entsteht ein Mißtrauens­verhältnis zum eigenen Körper – eine Beziehung, die fortlaufend auf Therapie­erfolge aus ist. Bloß nicht schlaff, stockend, verkrampft, gehemmt sein oder gar eine schlechte Haltung einnehmen. Vor diesem Hintergrund widmet sich der Kongress THERAPEUTISCHE ALLIANZEN Fragen zu historischen und aktuellen Künstlerbildern: Sind die Zeiten vorbei, in denen das Melancholische, das Schwindsüchtige, das Hysterische oder das Hypochondrische als künstlerisch produktiv gilt? Oder umgekehrt: Wenn Kreativität zur Norm geworden ist, kann man die weltweit zunehmenden Depessions­krankheiten dann als gesunde Verkrampfungen lesen?

 

 

SAMSTAG, 1. NOVEMBER 2014

–––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––

13 bis 15:20 h (Episode I)

UNVERMÖGEN, ÜBERSCHUSS UND DIE PRODUKTION DES SOZIALEN

mit JAN VERWOERT (Keynote), KATHRIN BUSCH und KAI VAN EIKELS

 

15:40 bis 22 h (Episode II)

WOHLFÜHLPRODUKTE – WELLNESS UND SUBJEKTIVIERUNGEN

mit HELGA WRETMAN, VASSILIS TSIANOS und MONSTER TRUCK

 

 

SONNTAG, 2. NOVEMBER 2014

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11:15 h

Matinee mit Dokumentarfilm

MATTHIJS REGELN, 75 min.

mit anschließendem Autorengespräch mit MARC SCHMIDT

 

12:30 bis 19:00 h (Episode III)

SCHÜBE, SYMPTOME, DIAGNOSEN

THOMAS BOCK, CHRISTINA BUCK, HANS-CHRISTIAN DANY, EVA ILLOUZ und SILJA SAMERSKI

 

19:15 h

Performance

MICHAELA MELIÁN

 

–––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––

 

Videos im Foyer

 

ULF AMINDE, Bildet Banden, 2011, 7:23 min.

KARIN MICHALSKI, The ABC of Feeling Bad, 2012, 13 min.

TILMAN WALTER, Inside Rainbow Vomit, 2014, 10:00 min.

 

 

Kongressleitung und -konzeption

 

ANNA BROMLEY und MICHAEL FESCA

in Zusammenarbeit mit NELE WULFF

 

Anna Bromley ist Künstlerin, Kulturforscherin und Autorin, lebt und arbeitet in Berlin.
Michael Fesca ist Künstler, lebt und arbeitet in Berlin.
2013 kuratierten beide als Teil der NGbK-Arbeitsgruppe »Die Irregulären« das Projekt »Die Irregulären – Ökonomien des Abweichens« in der Neuen Gesellschaft für bildende Kunst (NGbK), Berlin, und das dazugehörige Symposium »Doing Nerd – über die kulturelle Figuration der Nerds als Chiffre des Entzugs aus kommunikativen Normen der Wissensgesellschaft« in der Heinrich-Böll-Stiftung.

 

 

 

When the WHO passed its constitution in 1946, it defined health as a state of complete physical, mental and social wellbeing, and not just as the absence of illness or affliction. In an age in which the objectification of the body and psyche had already been carried to completion by the disciplines of medicine and science, this definition was remarkably farsighted. Today, on the other hand, health seems to designate processes in which the body and soul are to be “produced” in such a way as to become immune to statistically calculated health hazards. The associated exercises can be experienced as pleasurable, but they also represent two-edged acts in which bodies are managed primarily as potentials. Here persons develop a relationship of mistrust with their own bodys – a relationship persistently aimed at successful therapy. Whatever you do, don’t be flabby, faltering, tense, inhibited, or, worst of all, have bad posture. Against this background, the THERAPEUTIC ALLIANCES symposium will be devoted to historical and current images of artists. Are the days past in which the melancholy, consumptive, hysterical or hypochondriacal are considered artistically productive? Or, conversely: if creativity has become the norm, can depressive disorders, which are on the rise all over the world, be interpreted as healthy cramps?

 

 

 

 

 

 

SATURDAY, 1 NOVEMBER 2014

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1:00 to 3:20 pm (Episode I)

INCAPACITY, SURPLUS AND THE PRODUCTION OF THE SOCIAL

with JAN VERWOERT (keynote), KATHRIN BUSCH and KAI VAN EIKELS

 

3:40 to 10:00 pm (Episode II)

FEELGOOD PRODUCTS – WELLNESS AND SUBJECTIVIZATIONS

with HELGA WRETMAN, MONSTER TRUCK

et al.

 

 

SUNDAY, 2 NOVEMBER 2014

–––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––

11:15 am
Matinee with documentary

MATTHIJS’ REGELN

by Marc Schmidt, 75 min.

 

12:30 to 7:00 pm (Episode III)

EPISODES, SYMPTOMES, DIAGNOSES  

with THOMAS BOCK, CHRISTINA BUCK, HANS-CHRISTIAN DANY, EVA ILLOUZ et al.

 

7:15 pm
Performance

MICHAELA MELIÁN

 

 –––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––––

 

Videos in the foyer

 

ULF AMINDE, Bildet Banden, 2011, 7:23 min.

KARIN MICHALSKI, The ABC of Feeling Bad, 2012, 13 min.

 

 

Symposium direction and conception

 

ANNA BROMLEY and MICHAEL FESCA

in collaboration with NELE WULFF

 

Anna Bromley is an artist, cultural researcher and writer based in Berlin. 
Michael Fesca is an artist based in Berlin. 
Being part of the working group »Irregular« Anna Bromley and Michael Fesca in 2013 co-curated the Project »Irregular – economies of Deviation« at the New Foundation of Fine Arts Berlin (NGbK) and the corresponding symposium »Doing Nerd – on cultural figuration of the nerds as a code of denial from the communicative norms of the knoledge-based society« with the Heinrich Böll Foundation.

 

Locations

Calendar


September 18

FILM

IN THE REALMS OF UNREAL (US,2004)

OF

20:30 Uhr

→ GOLEM


September 25

FILM

DERAILROADED (US,2005)

OF

20:00 Uhr

→ GOLEM


October 02

FILM

WANDA (US,1971)

OF mit frz. Untertiteln

20:30 Uhr

→ GOLEM


October 08

SATELLITENAUSSTELLUNG

Ausstellungsbeginn GALERIE BRD

DAS GESPENST IN DER MASCHINE

12 bis 18 Uhr

→ DOROTHEA SCHLUETER GALERIE


October 13

ERÖFFNUNG THE HEARING VOICES CAFÉ

18 Uhr

→ CAFÉ TRAUMZEIT

 

AUSSTELLUNGSERÖFFNUNG IM KUNSTHAUS

19 Uhr

→ KUNSTHAUS HAMBURG


October 14

THE HEARING VOICES CAFÉ

THOMAS BOCK im Gespräch mit DORA GARCÍA

18 Uhr

→ CAFÉ TRAUMZEIT

 


October 15

KÜNSTLERGESPRÄCH

STEFAN MARX im Gespräch mit BRITTA PETERS

17 Uhr

→ HERZZENTRUM UKE HAMBURG, HAUS OST 70 (O 70)

 

THE HEARING VOICES CAFÉ

STIMMENHÖRER-TREFF

17 Uhr

→ CAFÉ TRAUMZEIT


October 16

THE HEARING VOICES CAFÉ

STIMMENHÖRER-TREFF

17 bis 19 Uhr

→ CAFÉ TRAUMZEIT

 

FILM

KOPFSTAND (AT,1981)

Deutsch

20:30 Uhr

→ GOLEM


October 17

THE HEARING VOICES CAFÉ

ANTON FISCHER: ROBERT WALSER LESUNG

17 bis 19 Uhr

→ CAFÉ TRAUMZEIT


October 22

THE HEARING VOICES CAFÉ

STIMMENHÖRER-TREFF

17 bis 19 Uhr

→ CAFÉ TRAUMZEIT

 

 


October 23

THE HEARING VOICES CAFÉ

STIMMENHÖRER-TREFF

17 bis 19 Uhr

→ CAFÉ TRAUMZEIT

FILM

EINE FLEXIBLE FRAU (DE, 2010)

Deutsch

20:30 Uhr

→ GOLEM


October 24

THE HEARING VOICES CAFÉ

MARGIT SÄDE-LEHNI im Gespräch mit DORA GARCÍA

18 Uhr

→ CAFÉ TRAUMZEIT


October 27

KÜNSTLERGESPRÄCH

Im Rahmen der Reihe OFF THE RAILS

BORAN BURCHHARDT im Gespräch mit BRITTA PETERS

18:00 Uhr

→ KUNSTHAUS HAMBURG


October 30

FILM

TREACLE, JR. (GB,2010)

OF

20:30 Uhr

→ GOLEM


November 01

SYMPOSIUM

 

13 bis 15:20 h (Episode I)

UNVERMÖGEN, ÜBERSCHUSS UND DIE PRODUKTION DES SOZIALEN

mit JAN VERWOERT (Keynote), KATHRIN BUSCH und KAI VAN EIKELS

 

15:40 bis 22 h (Episode II)

WOHLFÜHLPRODUKTE – WELLNESS UND SUBJEKTIVIERUNGEN

mit HELGA WRETMAN, MONSTER TRUCK, und VASSILIS TSIANOS

 

→ KAMPNAGEL


November 01

SATELLITENAUSSTELLUNG

Ausstellungsende GALERIE BRD

DAS GESPENST IN DER MASCHINE

12 bis 15 Uhr

→ DOROTHEA SCHLUETER GALERIE


November 02

SYMPOSIUM

 

(Episode III)

SCHÜBE, SYMPTOME, DIAGNOSEN  

 

11:15 h

Matinee mit Dokumentarfilm

MATTHIJS REGELN, 75min. 

 

 

12:30 bis 19:00 h

mit THOMAS BOCK, CHRISTINA BUCK, HANS-CHRISTIAN DANY, EVA ILLOUZ, SILJA SAMERSKI und PETER SINAPIUS

 

19:15 h

Performance

MICHAELA MELIÁN

 

→ KAMPNAGEL


November 06

FILM

BILLY THE KID (US,2007)

OF

20:30 Uhr

→ GOLEM


November 07

THE HEARING VOICES CAFÉ

CAROLINE VON TAYSEN im Gespräch mit DORA GARCÍA über die internationale Stimmenhörer-Bewegung (Intervoice)

18 Uhr

→ CAFÉ TRAUMZEIT

 


November 08

THE HEARING VOICES CAFÉ

Über den künstlerisch-produktiven Umgang mit Stimmen, mit ROLF FAHRENKRUG-PETERSEN, CHRISTIAN RÜTHING, u.a. 
Samstag, den 8. November, 16.00 Uhr. 

16 Uhr

→ CAFÉ TRAUMZEIT


November 13

FILM

THE BRUCE LACEY EXPERIENCE (GB,2012)

OF

20:30 Uhr

→ GOLEM


November 20

FILM

ALPS (GR,2011)

OF mit dt. Untertiteln

20:30 Uhr

→ GOLEM


November 27

FILM

LOURDES (DE,2009)

Deutsch

20:30 Uhr

→ GOLEM

Information

KONTAKT

 

Britta Peters

Kuratorin

peters@kamhh.de

 

Nele Wulff

Kuratorische Assistenz

wulff@kamhh.de

 

Elena Malzew

Kuratorische Assistenz

malzew@kamhh.de

Krankheit als Metapher.

Das Irre im Garten der Arten

Projektbüro

Wohlwillstraße 2

20359 Hamburg

 

++49+4053265350

post@kamhh.de

www.kamhh.de

 

 

Das Projekt wurde gefördert mit Mitteln aus dem Elbkulturfonds der Kulturbehörde der Freien und Hansestadt Hamburg und durch die Hamburgische Kulturstiftung.

 

Kulturbehoerde_sw  HKS sw.tiff